spickmich.de: Lehrerbenotung nach wie vor umstritten

logo_big.jpgNordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) und die NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) wollen gemeinsam gegen Diskriminierung von Lehrerinnen und Lehrern im Internet vorgehen. Sommer habe inzwischen die Bezirksregierungen angewiesen, Internetseiten sperren zu lassen die Persönlichkeitsrechte verletzten könnten und gegebenenfalls auch Strafanträge gegen die Betreiber solcher Seiten stellen, heißt es in einer am gestrigen Mittwoch (04.07.) verbreiteten Pressemitteilung der Ministerin.

“Wir wollen nicht hinnehmen, dass Pädagogen anonym in oft beleidigender und herabwürdigender Weise bloßgestellt werden”, betonte NRW-Schulministerin Sommer. Lehrerverbände hätten beklagt, dass im Internet Fotos von Lehrkräften eingestellt werden, mit denen virtuelle Hinrichtungen simuliert und Fotomontagen von Pornofotos vorgenommen werden können. Im Falle von Rechtsverletzungen solle unnachgiebig vorgegangen werden. In Betracht kommen nach Angaben der Justizministerin Beleidigungsdelikte (§§ 185 ff. StGB), Körperverletzungsdelikte (§§ 223 ff. StGB) sowie die Tatbestände der Nachstellung (§ 238 StGB), Nötigung (§ 240 StGB) und Bedrohung (§ 241 StGB).

Scharfe Kritik von Lehrerverbänden

Lehrer und Lehrerverbände hatten scharfe Kritik am Kölner Schülernetzwerk www.spickmich.de geäußert. Hier können Schüler ihre Lehrer benoten. Zur Zeit verhandelt das Kölner Landgericht die Klage einer Lehrerin, die sich von Bewertungen auf der Internetseite in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sieht. Das Gericht will seinen Beschluss in der nächsten Woche verkünden. In einer ersten Bewertung hatten die Richter die Benotung allerdings als rechtens bezeichnet.

Unerfreulicher Einblick ins deutsche Bildungssystem?

Die Crew: Tino Keller, Philipp Weidenhiller, Manuel Weisbrod (von links)Über 150.000 Schüler sind auf dieser Plattform mittlerweile angemeldet, erklärte Spickmich-Initiator Tino Keller gegenüber ots. “Die steigenden Nutzerzahlen bestätigen unser Bauchgefühl”, betonte der Initiator. Um den Unterricht an deutschen Schulen zu verbessern, müsse auch die Stimme der Schüler gehört werden. Mit der Notenvergabe werde eine bisher nicht da gewesene Transparenz geschaffen. Dieser Einblick in den Zustand des deutschen Bildungssystems sei nicht immer für alle erfreulich, aber auch darauf wolle die Spickmich-Community aufmerksam machen.

Die Lehrernoten auf Spickmich setzen sich nicht nur aus harten Fakten zusammen. Wie in der modernen Arbeitswelt auch, müssen Lehrer über so genannte “Soft Skills” verfügen, damit die Chemie stimme, erklärte Keller. Um eine gute Gesamtnote zu erhalten, müssen die Lehrkräfte auch in Kategorien wie “Cool und Witzig”, “Beliebt”, “Motiviert” und “Sexy” bei ihren Schülern punkten.

Tags: , , ,

2 Kommentare

  1. Spickmich.de: Lehrer beurteilen ||| Handelskraft ||| schreibt:

    [...] hexle, Eli’s Blog, stillbeta] Hinzufügen: del.icio.us | digg | technorati | yahoo | yigg | wong | [...]

  2. Benotung von Lehrern ist rechtens - still beta schreibt:

    [...] Das Kölner Landgericht hat die Benotung von Lehrern auf einer Internetseite endgültig für rechtens erklärt. Das berichtet heise online. Die Richter hoben am heutigen Mittwoch eine einstweilige Verfügung auf, mit der den Betreibern der Seite Spickmich die Benotung einer Lehrerin durch Schüler zunächst untersagt werden sollte (Aktenzeichen: 28 O 263/07).  Die Lehrerbenotung durch Schüler wurde in den letzten Wochen vor allem von Lehrerverbänden scharf kritisiert. Siehe auch stilbeta-Bericht vom 5. Juli [...]

Einen Kommentar schreiben